Herbsttagung der BGPN am 10.10.2026 in Präsenz
*** Natürlich auch für Kolleginnen und Kollegen, die noch kein Mitglied der BGPN sind ***
Herbsttagung: Wissenschaft, Rhetorik und Erkenntnis in der Psychiatrie und Neurologie
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste,
wir freuen uns, Sie zu unserer Herbsttagung einzuladen, die am Samstag, 10.10.2026 ab 10.00 Uhr in der Kaiserin-Friedrich-Stiftung, Straße…., stattfindet. In dieser Veranstaltung geht es um das besondere Spannungsfeld zwischen nüchterner faktenbasierter Wissenschaft und alltäglichen Einflussfaktoren von Rhetorik bis Vertrauen. Die ausgewiesenen Referenten haben sich intensiv mit dieser Thematik befasst und decken mit spannenden Vorträgen dieses erkenntnisreiche Thema ab.
Die Einladung richtet sich natürlich auch an alle, die (noch) keine Mitglieder der BGPN sind.
Wie maximiere ich Placeboeffekte in der Psychopharmakotherapie?
Prof. Dr. Tom Bschor, Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft Berlin und Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Dresden
Prof. Dr. Tom Bschor ist ehemaliger Vorsitzender der BGPN und war langjähriger psychiatrischer Chefarzt in Berlin sowie Leiter der Regierungskommission Krankenhäuser für das Bundesgesundheitsministerium. Er wird aufzeigen, dass Placeboeffekt keineswegs nur Störfaktoren in klinischen Studien sind und 19 psychiatrische Diagnosen dahin gehend vergleichen, wie gut sie sich unter Placebo bessern.
Wann ist mein Ergebnis endlich signifikant?
PD Dr. phil. Ulrike Grittner, Institut für Biometrie und Klinische Epidemiologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
PD Dr. Ulrike Grittner ist Biostatistikerin am Institut für Biometrie und Klinische Epidemiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Nach einem Studium der Mathematik und Bildenden Kunst an der Humboldt-Universität zu Berlin promovierte sie dort 2006 und habilitierte sich 2017 an der Charité im Fach Public Health. Zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten gehören die biometrische Beratung, Planung und Auswertung medizinischer Studien sowie die methodische Forschung. Ihre statistischen Schwerpunkte umfassen unter anderem Langzeitstudien, die Auswertung geclusterter Daten und Propensity Score Matching.
„Wann ist mein Ergebnis endlich signifikant?“ Dieser provokanten Frage widmet sich PD Dr. Grittner in ihrem Vortrag und nimmt dabei die statistische Signifikanz in der medizinischen Forschung kritisch in den Blick.
Über die rhetorischen Mittel von wissenschaftlichen Artikeln
Prof. Dr. med. Christopher Baethge, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Köln
Prof. Dr. Christopher Baethge ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und seit 2004 Leiter der Medizinisch-Wissenschaftlichen Redaktion des Deutschen Ärzteblattes. Zuvor war er als Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie der Freien Universität Berlin tätig und forschte als Research Fellow an der Harvard Medical School in Boston. Seit 2004 ist er zudem in Forschung und Lehre an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität zu Köln tätig, wo er sich 2005 habilitierte. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in der Psychopathologie und bei bipolaren Störungen.
Wissenschaftliche Artikel sollen Erkenntnisse sachlich und präzise vermitteln und bedienen sich dabei dennoch rhetorischer Mittel. In seinem Vortrag richtet Prof. Baethge den Blick auf genau dieses Spannungsfeld der Rhetorik wissenschaftlicher Publikationen.
Wann ich Publikationen (nicht) trauen sollte
Prof. Dr. med. Ulrich Dirnagl, Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Prof. Dr. Ulrich Dirnagl ist Gründungsdirektor des QUEST Center for Responsible Research am Berlin Institute of Health und prägte als langjähriger Direktor der Abteilung für Experimentelle Neurologie an der Charité die neurowissenschaftliche Forschungslandschaft in Berlin. Seine Forschung beschäftigt sich unter anderem mit den pathophysiologischen Mechanismen der zerebralen Ischämie, Neuroprotektion und translationaler Neurowissenschaft. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Meta-Forschung und der Frage, wie sich die Qualität und Aussagekraft biomedizinischer Forschung verbessern lassen. Dabei beschäftigt er sich insbesondere mit Reproduzierbarkeit, Validität und Übertragbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse.
Wie verlässlich sind die Ergebnisse, die uns in wissenschaftlichen Publikationen begegnen? In seinem Vortrag geht Prof. Dirnagl der Frage nach, woran sich die Aussagekraft wissenschaftlicher Arbeiten beurteilen lässt, wann Vertrauen gerechtfertigt ist und wann Skepsis angebracht sein sollte.
Das autistisch-undisziplinierte Denken in der Medizin und seine Überwindung: Ist Eugen Bleulers Monitum von 1919 für die heutige Psychiatrie Provokation oder Hilfe?
Prof. em. Dr. med. Dr. phil. Paul Hoff, Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Prof. Paul Hoff ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Philosoph. Nach dem Studium der Medizin und Philosophie in Mainz und München war er an den psychiatrischen Universitätskliniken in München und Aachen tätig. Von 2003 bis 2021 wirkte er an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, unter anderem als stellvertretender Klinikdirektor. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen auf der Geschichte und Wissenschaftstheorie der Psychiatrie sowie grundlegenden Fragen zum psychiatrischen Krankheitsbegriff. Seit 2021 ist er Präsident der Zentralen Ethikkommission der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften.
Wie rational ist medizinisches Denken? Prof. Hoff greift Bleulers Kritik an Denkfehlern und vorschnellen Schlussfolgerungen in der Medizin auf und fragt nach ihrer Bedeutung für die Psychiatrie der Gegenwart: historische Provokation oder hilfreiche Mahnung?
Die Veranstaltung ist wie gewohnt CME zertifiziert.